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Im Regal stehen zwölf Dosen. Gekauft, weil ein Podcast sie empfohlen hat, weil eine Freundin schwört darauf, weil die Werbung überzeugend war. Und die Frage bleibt dieselbe: Welche Nahrungsergänzung passt zu mir — und welche davon kann ich mir sparen?

Genau diese Frage höre ich in meiner Praxis fast täglich. Meine Antwort fängt selten bei einem Produkt an. Sie fängt bei deinen Daten an.

Werte im Referenzbereich und trotzdem müde? Weiter unten findest du meinen kostenlosen 7-Tage-Impuls. Direkt hinspringen

In zwei Minuten vorsortiert: Der Nährstoff-Check zeigt dir mit sieben Fragen, welche Werte bei dir zuerst auf den Tisch gehören. Zum Nährstoff-Check.

Warum die Standardantwort selten passt

Empfehlungslisten gehen von einem Durchschnittsmenschen aus. Diesen Menschen gibt es nicht. Zwei Personen nehmen dieselbe Menge Vitamin D über sechs Monate — und landen bei völlig verschiedenen Blutspiegeln.

Eine randomisierte Studie mit 644 Teilnehmern hat genau das untersucht. Das Ergebnis: Dosis und Ausgangswert erklären zusammen rund 24 Prozent der Unterschiede in der Reaktion. Körpergewicht, Gesundheitszustand und Sonnenlicht kamen hinzu. Und: Varianten in mehreren Genen zeigten einen messbaren Zusammenhang mit dem Ergebnis.

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Deine Werte sind normal und du fühlst dich trotzdem müde?

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Anders gesagt: Drei Viertel der Antwort auf die Frage „wie viel brauche ich“ stecken in Faktoren, die von Mensch zu Mensch verschieden sind. Deshalb führt der Weg über deine Werte, statt über eine Liste.

Wie ich in der Praxis vorgehe

Bevor ich über ein einziges Produkt spreche, schaue ich mir drei Ebenen an. In dieser Reihenfolge:

  1. Was zeigen deine Symptome — wo im Alltag hakt es konkret
  2. Was zeigen deine Blutwerte — wie ist die Versorgung gerade tatsächlich
  3. Was zeigt deine genetische Veranlagung — wie gut verwertest du bestimmte Nährstoffe

Erst wenn diese drei Bilder zusammenliegen, entsteht eine Entscheidung, die trägt. Alles davor ist Raten mit besseren Worten.

Die drei Ebenen, auf die ich schaue
1
Deine Blutwerte — der Ist-Zustand
Vitamin D, Ferritin, Homocystein, HS-Omega-3-Index, Zink, Magnesium, Selen und die Schilddrüsenwerte. Der Ausgangswert ist der stärkste einzelne Faktor überhaupt.
2
Deine Gene — dein persönlicher Bedarf
Wie gut dein Körper einen Nährstoff aufnimmt, umbaut und verwertet. Varianten wie MTHFR C677T verschieben den Bedarf spürbar.
3
Dein Alltag — was davon bleibt
Drei bis fünf Präparate hält der Mensch realistisch über Monate durch. Was den größten Hebel hat, kommt zuerst.

Erst der Ist-Zustand, dann der Bedarf, dann die Umsetzung — in dieser Reihenfolge entsteht deine Liste.

Ebene 1: Deine Blutwerte zeigen den Ist-Zustand

Der Ausgangswert ist der stärkste einzelne Faktor überhaupt. Wer bereits gut versorgt ist, reagiert auf eine Ergänzung anders als jemand mit deutlichem Mangel.

Diese Werte schaue ich mir bei fast jedem Menschen an:

  • Vitamin D (25-OH) — der Klassiker, und gleichzeitig der Wert mit der größten Streuung
  • Ferritin — der Eisenspeicher. Das Blutbild kann unauffällig aussehen, während der Speicher längst leer ist
  • Homocystein — zeigt, wie gut deine Methylierung läuft, und damit indirekt die B-Vitamin-Versorgung
  • HS-Omega-3-Index — misst den tatsächlichen Einbau in die Zellmembran statt der Zufuhr
  • Zink, Magnesium, Selen — mit dem Hinweis, dass Vollblut mehr zeigt als Serum
  • TSH, fT3, fT4 — die Schilddrüse steuert so viel mit, dass sie in jede Auswertung gehört

Welche Werte sich darüber hinaus lohnen, beschreibe ich im Beitrag zu den wichtigen Laborwerten und in der Übersicht zu den fünf Blutwerten, die selten gemessen werden.

Ebene 2: Deine Gene zeigen, wie viel du brauchst

Hier wird es spannend — und hier liegt der Teil, den die meisten Empfehlungen auslassen.

Deine Anlagen bestimmen mit, wie gut dein Körper einen Nährstoff aufnimmt, umbaut und verwertet. Zwei Beispiele aus der Forschung zeigen das besonders deutlich.

Beispiel 1: MTHFR und die B-Vitamine

Das Enzym MTHFR verwandelt Folat in seine aktive Form. Eine häufige Variante dieses Gens, C677T, senkt die Aktivität des Enzyms. Rund zehn Prozent der Bevölkerung tragen die Doppelform TT und haben dadurch ein um 14 bis 21 Prozent erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das Bemerkenswerte kommt jetzt: MTHFR braucht Riboflavin (Vitamin B2) als Cofaktor. Eine gezielte Gabe von Riboflavin senkte in Studien den Homocysteinspiegel und den Blutdruck — ausschließlich bei Menschen mit dem TT-Genotyp. Bei allen anderen blieb der Effekt aus.

Dieselbe Menge desselben Vitamins. Bei einem Menschen deutliche Wirkung, beim anderen nichts. Der Unterschied steckt in einem einzigen Buchstaben im Erbgut.

Beispiel 2: CYP2R1 und Vitamin D

CYP2R1 ist das Enzym, das Vitamin D in der Leber in seine Speicherform umbaut. Eine Untersuchung an 218 Menschen fand: Der Unterschied zwischen den Genotypen entspricht einer täglichen Vitamin-D-Menge von 400 bis 800 internationalen Einheiten.

Zwei Menschen, gleiche Dosis, gleicher Zeitraum — und am Ende trennt sie ein Spiegelunterschied, der einer ganzen Zusatzdosis entspricht.

Wichtig zur Einordnung: Deine Anlagen sind Stellschrauben, keine Diagnose und kein Schicksal. Sie sagen dir, wo dein Körper mehr Aufmerksamkeit braucht — und wo du entspannt bleiben kannst. Wie eine solche Auswertung abläuft, beschreibe ich im Beitrag zum Gentest mit Beratung. Weitere Zusammenhänge findest du bei der Methylierung und beim COMT-Gen.

Ebene 3: Dein Alltag entscheidet, was davon bleibt

Die beste Auswahl scheitert an der Umsetzung. Deshalb frage ich immer: Wie viele Kapseln nimmst du realistisch über Monate? Bei den meisten Menschen liegt die ehrliche Antwort bei drei bis fünf Präparaten, mehr wird liegen gelassen.

Daraus folgt eine Priorisierung: Der Nährstoff mit dem größten Defizit und der klarsten Verbindung zu deinen Symptomen kommt zuerst. Der Rest wartet.

Was du weglassen kannst — und was das spart

Der Teil, der meinen Klienten am meisten Geld zurückbringt. Diese vier Fragen streichen erfahrungsgemäß die Hälfte des Regals:

  • Gibt es dazu einen Wert? Was du messen kannst, kannst du steuern. Für alles andere bleibt die Wirkung Vermutung.
  • Liegt dieser Wert überhaupt im Mangel? Ein gut gefüllter Speicher profitiert von Nachschub kaum.
  • Deckt ein Präparat mehrere Lücken ab? Ein durchdachter Komplex ersetzt oft vier Einzeldosen.
  • Passt die Form zu deiner Verwertung? Bei Magnesium etwa entscheidet die Verbindung über die Aufnahme — ich vergleiche die Formen im Magnesium-Leitfaden.

Wer bei 120 Euro monatlich für Präparate startet und danach bei 45 Euro landet, hat im Jahr 900 Euro frei — und nimmt gleichzeitig genau das, was seine Werte hergeben. Das ist die Rechnung, die ich am häufigsten sehe.

Was die Auswertung bei deinem Budget bewegt

Vor der Auswertung

Ein Regal nach Empfehlungen aus Foren und Werbung. Start bei rund 120 Euro monatlich — der Nutzen bleibt Vermutung.

Nach der Auswertung

Die Präparate, die zu deinen Werten und Genen passen. Rund 45 Euro monatlich — das sind 900 Euro, die im Jahr bei dir bleiben.

Vier Fragen streichen erfahrungsgemäß die Hälfte des Regals.

Kurz zwischendurch: Wenn du deine Liste lieber gemeinsam sortierst, statt sie allein zusammenzustellen — 15 Minuten reichen für die Richtung. Health Call buchen.

Der praktische Weg: womit du anfängst

SchrittWas passiertZeitrahmen
1. BestandsaufnahmeSymptome sammeln, vorhandene Befunde zusammentragenSofort
2. Basiswerte messenVitamin D, Ferritin, Homocystein, Omega-3-Index, Schilddrüse1–2 Wochen
3. Genetik ergänzenEinmalig, das Ergebnis bleibt lebenslang gültig2–4 Wochen
4. Auswahl treffenDrei bis fünf Präparate statt zwölfNach dem Befund
5. NachmessenDieselben Werte erneut, Vergleich zum StartNach 3–6 Monaten

Für die Basiswerte nutze ich Tests, die du zuhause abnimmst und ins Labor schickst — etwa den Vitamin-D3-K2-Test oder die Mineralstoff-Analyse von For You eHealth. Den HS-Omega-3-Index misst die Fettsäure-Analyse von Norsan (89 €) im Labor Omegametrix.

Für die genetische Ebene setze ich den yourEPI DNA-Test von NatuGena (299 €) ein. Einmal abgenommen, lebenslang gültig — und die Grundlage, auf der sich jede spätere Entscheidung überprüfen lässt. Meine Einschätzung dazu steht im Beitrag zum yourEPI-Test.

Was ich hier bewusst weglasse

Individuelle Mengenangaben gehören in eine persönliche Auswertung, niemals in einen Artikel. Was die Dosis im Einzelfall bestimmt, beschreibe ich getrennt — mit denselben Daten als Grundlage.

Häufige Fragen

Welche Nahrungsergänzung passt zu mir, wenn ich noch keine Werte habe?

Dann beginnt der Weg mit der Messung. Vitamin D und Ferritin sind die beiden Werte, die am häufigsten auffällig ausfallen und gleichzeitig am einfachsten zu bestimmen sind. Damit hast du für kleines Geld eine belastbare Grundlage.

Reicht ein Multipräparat als Basis?

Ein gut zusammengesetztes Multi deckt Grundbedarf ab und glättet kleine Lücken. Einen deutlichen Mangel füllt es selten auf, weil die Einzeldosen dafür zu niedrig liegen. Als Basis sinnvoll, als Antwort auf einen Befund zu schwach.

Wie lange dauert es, bis sich ein Wert verändert?

Das hängt vom Nährstoff ab. Vitamin D bewegt sich über Wochen, der Eisenspeicher braucht Monate, der Omega-3-Index verändert sich über etwa drei bis vier Monate. Deshalb messe ich frühestens nach drei Monaten nach.

Ersetzt ein Gentest die Blutwerte?

Beide beantworten verschiedene Fragen. Der Blutwert zeigt deinen Zustand heute, die Genetik zeigt deine Veranlagung über das ganze Leben. Zusammen ergeben sie ein Bild, das jede Einzelmessung übertrifft.

Wie viel von einem Nährstoff für dich passt, entscheiden vier Faktoren: Ausgangswert, Körpergewicht, Aufnahme und Veranlagung. Ich ordne sie im Beitrag zur Supplemente Dosierung ein.

Methyldonatoren, Polyphenole, Omega-3: Welche Bausteine deine Genaktivität prägen, steht im Beitrag zur epigenetischen Ernährung.

Fazit

Die Frage „welche Nahrungsergänzung passt zu mir“ beantwortet sich über Daten, statt über Empfehlungen. Deine Blutwerte zeigen, wo du heute stehst. Deine Gene zeigen, wie viel dein Körper von einem Nährstoff braucht, um dorthin zu kommen. Dein Alltag entscheidet, was davon Bestand hat.

Wer diesen Weg geht, nimmt am Ende weniger Präparate, zahlt weniger Geld und sieht zum ersten Mal, dass sich etwas bewegt.

Dein nächster Schritt: Trag zusammen, welche Befunde du bereits hast — auch alte. In einem kostenlosen Health Call ordnen wir sie gemeinsam ein und klären, welche Messung als Nächstes wirklich lohnt. 15 Minuten.

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Referenzen

  • Waterhouse M et al. (2014): Environmental, personal, and genetic determinants of response to vitamin D supplementation in older adults. J Clin Endocrinol Metab 99(7):E1332-40. doi:10.1210/jc.2013-4101
  • Arabi A et al. (2016): CYP2R1 polymorphisms are important modulators of circulating 25-hydroxyvitamin D levels in elderly females with vitamin insufficiency. Osteoporos Int 28(1):279-290. doi:10.1007/s00198-016-3713-5
  • McNulty H et al. (2011): C1 metabolism and CVD outcomes in older adults. Proc Nutr Soc 71(2):213-21. doi:10.1017/S0029665111003387
  • McNulty H et al. (2008): Homocysteine, B-vitamins and CVD. Proc Nutr Soc 67(2):232-7. doi:10.1017/S0029665108007076

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Healthbuddy Thorsten Schmitt
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