Trainingsgeräte

Sitzt du noch oder trainierst du schon? Warum Trainingsgeräte keinen Sinn machen

Sitzt du noch oder trainierst du schon? - Warum Trainingsgeräte keinen Sinn machen!

Jahrelang war ich selbst in verschiedenen Fitnessstudios tätig und kenne das dortige Business sehr gut. Daher bin ich froh, heute unabhängig von Studios Menschen wieder zu alltagsgerechter und gesunder Bewegung helfen zu können. Diese Bewegung kommt fast alles Studios viel zu kurz! Aus verschiedenen Gründen ist das Training an unterschiedlichen Trainingsgeräten „ganz normal“ und weitestgehend verbreitet und akzeptiert. Dabei sind die Geräte für einen gesunden Menschen alles andere als sinnvoll!

Geräte wurden in den 60er Jahren entwickelt und schnell in der Physiotherapie übernommen. Das dortige Training an den Geräten kann durchaus sinnvoll sein. Gelenke können ggf. nicht bewegt werden oder stabilisierende Körperteile sind (noch) nicht stark genug, um den Körper + die Belastung durch Gewichte zu halten.

Später wurden die Geräte im Bodybuilding übernommen. Da war es möglich, neben oft mehrgelenkigen Ganzkörperübungen wie z.B. Kniebeugen einzelne Muskeln nach Ermüdung des stabilisierenden Systems weiterhin bis zur Erschöpfung zu trainieren.

Für einen gesunden Körper machen Geräte KEINEN Sinn, daher verzichte ich in meinem Training auf Geräte. Mit „Geräten“ meine ich auch Geräte – zusätzliche Tools wie Gummibänder, Kettlebells, Hanteln o.ä. sind KEINE Geräte, sondern Hilfsmittel, um Übungen mit dem eigenen Körpergewicht entsprechend intensiver gestalten zu können.

Aber was ist am Training an den Geräten so schlecht?

  1. Fehlende Belastung für die Rückenmuskeln. Verschiedene kleine Muskeln im Rücken, die beim Stehen, gehen und laufen aktiv sind, werden durch die oft sitzende Haltung an Geräte deutlich weniger bis gar nicht gefordert
  2. Fehlender Input für die Beinmuskulatur. Die Beine + das Gesäß haben die größten und stärksten Muskeln in unserem Körper. Mit eine der Hauptaufgaben der Muskeln ist auch die Entlastung der Knie- und Hüftgelenke sowie Stabilisierung der Fußgelenke. Im Sitzen werden diese nicht gefordert. Im +übrigen empfehle ich mit aus diesem Grund ein Training Barfuß oder in Barfuß-Schuhen in Barfuß-Socken.
  3. Das Fasziensystem wird kaum gefordert. Die Faszien, ein bindegewebsartiges Netzwerk feinster Fasern in unserem Körper verbindet alles miteinander, überträgt Kräfte vom Boden bis zum Oberkörper und kommuniziert über verschiedene Rezeptoren. Im Sitzen fehlt diese Spannung, Kräfte werden nicht optimal auf den ganzen Körper verteilt und auf Dauer können dadurch Verklebungen entstehen, die wiederum mitverantwortlich für Schmerzen sind.
  4. Risiko für Ischiasprobleme oder Piriformis-Syndrom. Der Piriformis ist ein kleiner Muskel im Gesäßbereich der nur eine von zwei Verbindungen zwischen Wirbelsäule und Beinmuskulatur darstellt. Neben seiner Faszie zieht der Ischiasnerv darunter nach unten zu den Beinen. Wird der Muskel und das umgebende Fasziensystem nicht optimal aktiviert können Entzündungen entstehen, die im allgemeinen als „Ischiasschmerz“ bezeichnet werden.
  5. Beckenboden Aktivierung ist im sitzen annährend nicht vorhanden. Und JA, auch Männer haben einen Beckenboden, der im Rumpf einfach ausgedrückt den Boden darstellt und aus mehreren kleinen Muskeln besteht.
  6. Fehlende Mobilisierung von ISG und Psoas. Das ISG Kreuz-Darmbein-Gelenk sowie der Psoas, ein kleiner Muskel von Wirbelsäule zum Oberschenkel verursachen im Alltag durch unsere meist sitzende Tätigkeit Probleme in Form von Schmerzen – aber auch Verdauungsbeschwerden! Gerade der Psoas-Muskel regt die Darmtätigkeit an! Sowol das ISG als auch der Psoas sollten regelmäßig bewegt werden.
  7. Herz-Kreislauf-System: Wer einmal Kniebeugen mit einer Beinpresse vergleicht kennt es: Das Herz-Kreislauf-System muss sehr viel mehr arbeiten wenn die unteren Extremitäten mit versorgt werden müssen. Herzaktivität, Kalorienbedarf, Stoffwechsel steigen, wenn alles gemeinsam arbeiten muss.
  8. Koordination im Alltag: Alltägliche Bewegung wie einfaches aufstehen, setzen, drehen, vorwärts und rückwärts bewegen erfordern ein gewisses Grad an Koordination. Dieses Zusammenspiel verschiedener Muskeln, Faszien und dem Nervensystem wird optimal trainiert und gefördert, wenn der gesamte Körper im Training ist – nicht nur ein Teil!

Alternativen zu Geräten:

  • Statt verschiedene Beinübungen sind Kniebeugen oder Kreuzheben die beste Wahl
  • Statt Zugbewegungen im Oberkörper sind stehendes Rudern sowie Klimmzüge sinnvolle Alternativen
  • Statt drückende Bewegungen am Gerät sind Liegestützen oder Bankdrücken die bessere Wahl
  • Cardiogeräte lassen sich gut durch Laufen im Freien oder kurze Intervalle mit Burpees oder ähnlichem ersetzen.
  • Ganzkörperübungen mit der Kettlebell , die Kraft, Stabilität und Ausdauer in einem trainieren wirst du an keinem Gerät trainieren können.
  • Sprungübungen, die sowohl den muskulären Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus als auch die Elastizität des Bindegewebes trainieren sollten auch nicht fehlen.

Trainierst du schon oder sitzt du noch an Geräten? Wie du siehst, spricht NICHTS dafür, einen gesunden Körper an Trainingsgeräte zu setzen.

Immer gilt natürlich: Bewege dich erst richtig, dann oft!

Viel Spaß bei deinem weiteren Training.

Coach Thorsten

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